Nachruf Hugo Braun

In der heutigen Ausgabe der Kreiszeitung (www.krzbb.de) ist der folgende Artikel im Lokalsport erschienen:

Wegbereiter und Türöffner

Die SV Böblingen trauert um Hugo Braun, Gründungsmitglied der
Basketballabteilung, und viele Jahre auf dem Sportamt der Stadt


Der verstorbene Hugo Braun mit seiner Frau und dem ebenfalls vom damaligen Vereinspräsidenten Wolfgang Rieth (von links) 2009 mit dem Ehrenring der SV Böblingen ausgezeichnete Dieter Finkbeiner (rechts) Foto: Annette Wandel/Archiv

 

BÖBLINGEN (ms/red). Die SV Böblingen trauert um Hugo Braun, der im Alter von 85 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit überraschend verstorben ist.

Von einer „Lebensleistung für den Verein“ sprach der damalige SVB-Präsident Wolfgang Rieth, als er „Mister Basketball“, den er auch als „lebende Legende“ bezeichnete, 2009 den Ehrenring überreichte. Es war die höchste Auszeichnung der SVB überhaupt, die zu Lebzeiten auf nur zehn Persönlichkeiten
beschränkt ist.

1958 gehörte Hugo Braun zu den Gründungsmitgliedern der Basketballabteilung. Er bestritt in 14 Jahren insgesamt 303 Spiele, führte die Männer in den 70er Jahren in die Bundesliga, er war Pressewart, elf Jahre lang Abteilungsleiter, um das Amt später noch einmal 18 Jahre zu übernehmen, Frauenwart, Kassier und Jugendleiter. Einfach alles. Und weil ihm das offenbar nicht ausreichte, war er auch in Verbänden und Organisationen tätig. Er holte dank seiner Kontakte die Europameisterschaften 1971 und 1975 nach Böblingen, dazu Länderspiele und zuletzt die U20-Europameisterschaft 2002, er knüpfte Kontakte nach Schweden und
Ungarn. „Zu einer Zeit“, blickte Wolfgang Rieth damals zurück, „als mit Ostblock-Partnerschaften nur wenige bei uns etwas am Hut hatten.“ Die Familie zog mit, seine Tochter Jutta als ebenfalls erfolgreiche Trainerin, während das Büro bei seiner Frau angesiedelt war, er selbst war Wegbereiter und Türöffner. „Dabei stets quirlig, uneigennützig und gemeinnützig wie kaum ein anderer, immer bescheiden und stets korrekt“ (Rieth).

Was nicht viele wussten: Bevor er die Basketballabteilung aus der Taufe hob, hatte er eine erfolgreiche Karriere als Fußballspieler und Leichtathlet hinter sich, dazu trainierte er mit den Boxern des Vereins. Er spielte bis 1956 Fußball, unterstrich seine Vielseitigkeit und Führungsqualitäten als Kapitän der SVB-A-Jugend. Und als die SV Böblingen am 20. Oktober 1945 im Gasthof Bären von 104 Teilnehmern gegründet wurde, wirkte er bereits als zwölfjähriger Steppke mit. Insgesamt stand er mit Unterbrechung 29 Jahre an der Spitze der Basketballer, wurde 1985 zum Ehrenvorsitzenden ernannt und gab sein Amt zwei Jahre später ab.

Sein organisatorisches Talent erkannte bald auch der Baden-Württembergische Basketballverband, dem er seit 1964 in verschiedenen Funktionen als Chefdirigent bei großen Veranstaltungen und Trainer von Auswahlmannschaften angehörte. Fast genauso lang ist angesichts dieses Engagements, „mit dem er die SVB zu dem gemacht hat, was sie heute ist“, so Rieth 2009, die Liste seiner Ehrungen. Leistungsnadel in Silber, Vereinsehrennadel in Silber und Gold, Ehrung für 60-jährige Mitgliedschaft, der SVB-Ehrenring, dazu die Ehrenplakette der Stadt, ebenfalls in Silber und Gold.

Seine Ausbildung zum Schriftsetzer absolvierte er in der Böblinger Druckerei Schlecht, doch als er 1971 die Basketball-EM in der damaligen Sporthalle derart ausgeklügelt und perfekt inszeniert über die Bühne brachte, holte ihn der damalige Oberbürgermeister Alexander Vogelgsang, dem diese organisatorische Leistung sichtlich imponierte, ins Sportamt der Stadt, dem er danach viele Jahre angehörte. Damit standen sein großes Hobby, der Sport in all seinen Facetten, und die Arbeit in enger Verbindung zueinander, die er aber immer sauber voneinander trennen konnte. „Er hat hier einen so sauberen Spagat geschafft, dass er glatt auch zu den Turnern gepasst hätte“ (Ex-Präsident Wolfgang Rieth).

Wie das in der Praxis aussah? Als ihm der damalige Sportwart der Hockeyabteilung voller Stolz seinen er sten selbstgefertigten Spielplan für die Halle vorbeibrachte, schaute Hugo Braun nur kurz darauf und meinte: „So geht des net, des isch ein Basketballwochenende.“ Wie jetzt auch die ganzen Hockey-Spiele an den beiden Tagen unterbringen? Aber auch da konnte Hugo Braun helfen. „Lassen Sie mir mal Ihre Unterlagen da, ich schau mal, was da zu machen ist.“ Nach acht Tagen war der Spielplan komplett, alle waren zufrieden und der Grundstein zu einer guten Zusammenarbeit gelegt.

Auch nach seinem Ausscheiden aus allen offiziellen Ämtern war er noch immer ständiger Begleiter des SVB-Basketballs. Vor allem von den Spielen seiner Enkelin Franziska Körner ließ er sich kein einziges entgehen, schaute anschließend auch hin und wieder noch bei den Männern zu. Auf der Tribüne der Raiser-Halle wird sein Platz künftig leer bleiben, die Trauerfeier ist am kommenden Dienstag um 14 Uhr auf dem Burghaldenfriedhof in Sindelfingen.