Auszug aus:

"50 Jahre Sportvereinigung Böblingen - Chronik von 1945-1995"

"Turnen gehört zur Sportvereinigung bereits seit deren Gründung. In der Turnabteilung fanden sich ab 1945 die Turner aller Böblinger Turn­ und Sportvereine der Vorkriegsjahre zusammen. Um den Aufbau in den ersten Jahren machten sich die Turnfreunde Robert Hirner, August Schmid, Otto Schlecht, Karl Bröder, Hermann Fink, Richard Knoll, Gretl Hirner, Hermann Rommel, Hans-Peter Mahlich und Hans Hablizel besonders verdient. Ebenso Alfred Hamm, der die Abteilung von 1952 bis 1958 geleitet hat. Danach übernahm Gerhard Kehrer bis 1962 dieses Amt. Seit 1962 leitet Peter Wohlfart die Turnabteilung. Ihm stehen heute in weiteren Funkionen und als Übungsleiter und Helfer 26 Mitglieder zur Seite. Davon haben sich in langjähriger zuverlässiger Mitarbeit in verschiedenen Abteilungsämtern oder als Übungsleiter Irene Degelmann, Hannelore Wohlfart, Hermann Kuhnle, Manfred Merz, Edgar Schlenker, Hermann Waidmann, Gerd Blaha, Gunter Klink und Martin Rehm bleibende Verdienste erworben.

Anläßlich der Einweihung des Vereinsheims 1950 am Silberweg:
Pyramiden in der Turnhalle an der Tübinger Straße

Außer dem Wettkampfgeschehen und den Vorbereitungen für Vereinsvorführungen war von Anfang an der Breitensport für alle Altersbereiche eine der Hauptaufgaben der Abteilung. Besonders das vielseitige Kinder- und Jugendturnen ist Basis für alle anderen Sportarten und Grundstein für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung der Heranwachsenden. So war die Turnabteilung innerhalb der Sportvereinigung die erste und mehrere Jahre überhaupt die einzige Abteilung mit einem Sportangebot für Kinder.

Ludwig Rau und Philipp Niehoff am
Doppeltrapez

Aus den bescheidenen Anfängen der ersten Nachkriegsjahre heraus kam man zunächst nur langsam voran und es galt, so manches Problem zu lösen. Am stärksten machte sich der Mangel an Übungsmöglichkeiten bemerkbar. Die damals einzige Turnhalle der Stadt an der Tübinger Straße hatte den Krieg zwar einigermaßen heil überstanden, wurde jedoch von den Besatzungsmächten immer wieder für längere Zeit gesperrt. Erst nachdem der alte Feierraum als Scheune ausgedient hatte, konnte man dort auf blankem Asphalt und auch im Winter ohne Heizung wenigstens regelmäßig turnen. Zur Überbrückung diente auch ein Turnplatz mit Geräten auf dem Stadion-Gelände. Die Situation verbesserte sich erst mit dem Bau neuer Schulen und Turnhallen durch die Stadt. So konnten wir nach Fertigstellung der Ludwig-Uhland-Schule den ersten deutlichen Mitgliederzuwachs verzeichnen. Weiter aufwärts ging es, nachdem wir unser Angebot für Kinder und Jugendliche auf die Eduard-Mörike-Schule und das Otto-Hahn-Gymnasium ausdehnen konnten. In der Zwischenzeit hat sich der Mitgliederstand bei etwas über 300 Mitgliedern eingependelt. Waren in der ersten Zeit die männlichen Mitglieder zahlenmäßig stärker vertreten, so überwiegen heute bei den jüngeren Jahrgängen deutlich die Mädchen.

Besondere Ereignisse waren die Teilnahme am ersten Kreisturnfest nach dem Krieg 1949 in Böblingen, dem bis 1994 in Renningen zahlreiche Gau-Turnfeste, mit gutem Abschneiden der SVB-Turner, folgten.

SVB beim 1. Landesturnfest nach dem Krieg 1950 in Aalen
(vorne)August Schmid, (1.Reihe v.l.) Hilde Volk, Ursula Germann, Else Fischer, Lola Knoll,
Gertrud Lang, Lisa Büttinger, Ilse Sieber, Lydia Neubauer,
(ab der 2.Reihe sind noch zu erkennen) Otto Walker, Werner Heim,Peter Wohlfart,
Gerhard Kehrer, Karl Bröder, Karl Sauer, Adolf Grözinger, Richard Wörner, Richard Knoll,
Fritz Heller und Erich Zimmermann

Ebenfalls aktiv waren wir bei allen Landesturnfesten nach dem Krieg bis heute: 1950 in Aalen. 1952 in Schwenningen, 1955 in Ulm, 1959 in Heilbronn, 1962 in Göppinen, 1967 in Ebingen, 1970 in Ludwigsburg, 1974 in Biberach, 1977 in Heidenheim, 1980 in Waiblingen, 1984 in Ulm, 1986 in Friedrichshafen, 1989 in Heilbronn und 1993 in Ludwigsburg.

Höhepunkte der Abteilung waren unsere Beteiligung an allen Deutschen Turnfesten seit 1958 in München, 1963 in Essen, 1968 in Berlin, 1973 in Stuttgart, 1978 in Hannover, 1983 in Frankfurt, 1987 in Berlin, 1990 in Bochum-Dortmund und 1994 in Hamburg.

SVB-Turner beim Deutschen Turnfest
in München 1958
(v.l. vorne) Anton Gulden, Hermann Fink;
(stehend) Philipp Niehoff, Max Kühn,
Richard Stähle, Gerhard Kehrer und
Peter Wohlfart

Waren wir bis 1983 in Frankfurt jeweils nur mit kleineren Abordnungen vertreten, so stiegen unsere Teilnehmerzahlen 1987 in Berlin sprunghaft auf 35, in Bochum-Dortmund auf 39 und in Hamburg auf 45 Aktive und Jugendliche.

Beim Entstehen der Städte-Partnerschaften hatten wir 1956 erstmals Gäste aus Pontoise und gestalteten ein gemeinsames Schauturnen im Stadion. Auch beim ersten Besuch Böblinger Sportler 1957 in Pontoise haben wir mit je einer Frauen- und Männerriege beim Fest der Jugend und des Sports im dortigen Stadion geturnt. Weitere Partnerschaftsbegegnungen hatten wir ab 1967 mit dem K.D.O. Geleen, wobei auch manche persönliche Freundschaft entstand.

Städte-Partnerschaft 1957 in Pontoise
(v.l.) Wolfgang Klingel, Werner Heim, Horst Gams, fünf Pontoiser Turner, Ludwig Rau,
Gerhard Kehrer, Max Kühn, Peter Wohlfart und Philipp Niehoff

Mit der Ausrichtung der Deutschen Kunstturn-Meisterschaften der Frauen 1969 und 1982 sowie dem Deutschen Kunstturntag und Bundesliga-Endkampf der Männer 1976 in der Sporthalle Böblingen führten wir bedeutende überregionale Veranstaltungen durch. Auch als Mit-Ausrichter des Gau-Turnfestes 1981 in Böblingen, mit 3.500 Teilnehmern das seither größte, waren wir stark engagiert. Seit 1977 richten wir die jährlichen Schüler-Bezirksmeisterschaften, mit ca. 500 jugendlichen Wettkämpfern, in der Hermann-Raiser-Halle aus.

Als Einzelturner oder Mannschaften nehmen wir regelmäßig an den Wettbewerben wie Turnfeste, Bergfeste und Meisterschaften des Fachverbandes teil. In der langen Reihe vieler Wettkämpfe sind auf Bezirks- und Gauebene immer wieder Namen unserer Mitglieder als Sieger und auf den vorderen Plätzen zu finden. Aber auch bei Landes- und Deutschen Turnfesten konnte man schöne Erfolge erringen. Stellvertretend für alle seien hier nur einige aus jüngster Zeit genannt: Den 1. Platz bei den Gau-Mannschaftskämpfen 1984 erturnte sich unsere Mannschaft mit Ralf Feucht, Ralf Fischer, Martin Rehm, Roman Seute und Frank Stahn. Bei den Turngau-Rundenkämpfen 1985 wurden die von Manfred Merz trainierten Jugendturnerinnen A mit Kerstin Drechsel, Susanne Bock, Marion Meichsner, Christine Siegmund und Sabine Rödl Gau-Meister. Beim Landesentscheid der Erstplatzierten aus allen Turngauen im Schwäbischen Turnerbund erreichte unsere Mannschaft den 4. Platz.

Als strahlende Siegerin beim Landes-Turnfest 1989 in Heilbronn erreichte Nicole Rebmann bei den Jugendturnerinnnen A den 1. Platz unter 548 Teilnehmerinnen.

1992 wurde in der Turngau-Runde die Jugendturnerriege mit Achim Wackenhut, Roland Wackenhut, Steffen Hahn, Walter Kreis und Donato Silano (von Peter Wohlfart trainiert) ebenfalls Gau-Meister. In der Regionalrunde erreichte die Mannschaft den 2. Platz und kam beim württembergischen Landesentscheid auf Platz 6.

1992 Jugendturner E
(v.l.vorne) Achim und RolandWackenhut,
(hinten) Steffen Hahn, Donato Silano
und Walter Kreis

Im Deutschen Mehrkampf (drei Geräte- und drei Leichtathletik-Disziplinen) wurde Roxana Barvsch 1. Siegerin bei den Württembergischen Meisterschaften der Schülerinnen 1993. Gau-Meister 1993 und 1994 wurden die von Kerstin Drechsel trainierte Mannschaft, in der Roxana Barvsch, Anke Schade, Kerstin Kleischer, Claudia Hahn, Melanie Kellhammer, Antje Herzing, Agnes Barvsch und Julia Hahn turnten. Beim Regionalentscheid 1994 erreichte die Mannschaft den 5. Platz und kam bei den Württembergischen Meisterschaften Juti D auf Rang 12.

1994 haben sich erstmals Jugendliche der Turnabteilung zur Teilnahme an Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Roxana Barysch kam im Deutschen Mehrkampf der Juti C auf Platz 22. Roland Wackenhut erreichte im Kunstturnen der AK 11/12 Rang 19. Achim Wackenhut mußte wegen der Quotenregelung der Landesturnverbände im Pokal-Wettkampf AK 13/14 starten und erreichte dort den 15. Platz. Achim und Roland Wackenhut gehören dem Schüler-Landeskader an und wurden mit der Mannschaft des Schwäbischen Turnerbundes (STB) Deutscher Meister beim Verbands-Pokal der Landes-Turnverbände.

Die Turnabteilung beim Deutschen Turnfest 1990 in Bochum/Dortmund

Schauturnen und Vorführungen bei verschiedenen Anlässen, Vorbereitung und Abnahme zum Deutschen Sportabzeichen, Abteilungsfeste und Wanderungen sowie die Pflege der Geselligkeit und Kameradschaft gehören ebenso zu den Aktivitäten der Turnabteilung. Besonders beliebt bei den Kindern sind die Nikolausfeiern, die Faschingsfeten und die Teilnahme am jährlich stattfindenden Gau-Kinderturnfest Ein ganz besonderes Erlebnis für die SVB-Turnerjugend war die Teilnahme am 1. Landeskinder- und Jugendturnfest 1991 in Berlin. Zur derzeitigen Führung der Turnabteilung gehören: Peter Wohlfart (Abteilungsleiter), Martin Rehm (stellvertretender Abteilungsleiter), Hermann Waidmann (Kassier), Hannelore Wohlfart (Schriftführerin), Kerstin Drechsel (Jugendwartin), Edgar Schlenker (Vertreter Senioren und Breitensport), Wolfgang Schieferdecker (Wanderwart), Fritz Brezing, Roland Götz (Kassenprüfer) und als Delegierte bei der SVB-Delegiertenversammlung Mario Lutz, Gunter Klink, Hermann Waidmann. Das Amt des Pressewartes ist seit der letzten Hauptversammlung nicht mehr besetzt.

Als Übungsleiter sind in der Abteilung Irene Degelmann (Mutter-und Kinderturnen), Christa Ganz (Vorschulturnen), Jutta Wackenhut, Petra Bonnekamp, Kerstin Drechsel, Britta Bernecker, Kristina Vöpel, Anna Gisi, Gerd Blaha, Martin Rehm, Peter Wohlfart (Kinder-und Geräteturnen einschließlich Wettkampfbereich), Gunter Klink (Männerturnen) und Edgar Schlenker für den Breitensport.

Für die Zukunft sehen wir unsere Aufgabe darin, unser Angebot im allgemeinen Turnen wie im Wettkampfbereich für alle Altersstufen vom Kinderturnen bis zum Seniorensport weiter zu öffnen und zu verbessern. Der Schwerpunkt liegt wie seither auch weiterhin im Kinder- und Jugendturnen. Dazu müssen zusätzliche Übungsleiter /innen, Trainer und Helfer gewonnen und ausgebildet werden. Auch weiterer Hallenraum, besonders zu kindgerechten Zeiten, ist dazu erforderlich. Erst dies ermöglicht eine individuelle Förderung in Gruppen nach Talent und Neigung.

Das Übungsleiter- und Trainerteam der 200 Kinder und Jugendlichen der Abteilung wird künftig mehr Zeit in die Jugendarbeit investieren. Es soll nicht nur der reine Trainingsbetrieb Aufgabe im Jugendbereich sein, sondern es wird auch Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen und Organisationen in Böblingen angestrebt. Mit unserer neuen Jugendwartin, Kerstin Drechsel, haben wir eine Vertreterin der Jugend, die auch ihre ersten Versuche an den Geräten bei der Sportvereinigung machte und weiß, was turnerisch möglich ist. Außerdem stellen wir uns eine stärkere Zusammenarbeit mit den Eltern unserer Kinder vor, sodaß nicht nur dem reinen Turnbetrieb, sondern auch der sozialen Aufgabe, die wir inhaltlich in unserem Engagement sehen, Rechnung getragen wird.

Auch weiterhin wird der gesundheitliche Aspekt beim Turnen an Geräten bedacht. Die Kräftigung der gesamten Muskulatur ist nicht nur für das Geräteturnen erforderlich, sondern fördert auch eine gesunde körperliche Entwicklung der Jugendlichen und beugt späteren Bewegungsproblemen vor."

Peter Wohlfart, Artikel Turnen, "50 Jahre Sportvereinigung Böblingen", 1995