Bericht der "Kreiszeitung Böblinger Bote" über das 40-jährige Bestehen der
Judoabteilung im Jahre 1996
Im "Boxersäle" begann es
Böblingen (wiv) - Dem früheren Leiter der Stadtwerke Böblingen, Kurt Gentner,
und französischer Entwicklungshilfe haben es die Böblinger Judoka zu verdanken,
dass sie in diesen Tagen das 40jährige Bestehen feiern können: Kurt Gentner hatte
im Sommer 1955 den dortigen Judoverein zu einer Vorführung im Rahmen der
Partnerschaftsfeiern nach Böblingen eingeladen. Und was die französischen
Judoka in Böblingen unter der Leitung ihres Lehrers Jacques Thieullen einem
staunenden Publikum zeigten, fand so viel Anklang, dass schon am 1. September 1956
in der SVB die Abteilung Judo gegründet wurde.
Erster Trainer war Eberhardt Kuklinski und das Training fand damals noch
im "Boxersäle" der alten Turnhalle an der Tübinger Straße statt.
Dort, wo sich hinter dem Pavillon des Verkehrsamtes der Treppenzugang zur
Tiefgarage befindet. Die alten Kämpen erinnern sich noch gut daran, wie vor
jedem Training die recht dünne und harte Judomatte auf- und hinterher wieder
abgebaut werden mußte. Böblingens Judoka haben seither manchen Umzug hinter sich.
Vom "Boxersäle" wechselten sie in die Friedrich-Schiller-Realschule,
wo man sich den Raum mit den Tischtennisspielern teilen mußte. Von dort gings in die
Justinus-Kerner-Schule. 1969 kam der Umzug in die neu erbaute Sporthalle.
Zehn Jahre später organisierte der Nachfolger des damaligen Abteilungsleiters
Albin Anselstetter, Adolf Berenfeld, die heutigen Trainingsräume in der
Murkenbach-Turnhalle. Sie wurden mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung
der Stadt Böblingen zu einem mustergültigen Trainingsraum (Dojo) mit Umkleide-
und Duschräumen ausgebaut. 30 Mitglieder zählte die Abteilung zu Beginn und hatte
schon damals Ihre Höhen und Tiefen. In den ersten Jahren waren es einmal gerade
noch sieben Mitglieder. Heute hat sich der Mitgliederstand - nach Rekordhöhen von
mehr als 260 Mitgliedern in den 60er Jahren - auf zirka 180 Mitglieder eingependelt.
Geleitet wurde die Abteilung, zu der in den ersten Jahren noch Karate und
Aikido-Sportler gehörten, im ersten Jahr von Kurt Gentner. 1957 wurde
Albin Anselstetter zum Abteilungsleiter gewählt. In den 15 Jahren, in denen er das
Amt innehatte, fielen die Umzüge in immer bessere Trainingsräume und die ersten
großen sportlichen Erfolge der Judoabteilung. Zweimal schafften die Böblinger den
Aufstieg in die damals höchste Klasse, einmal wurden sie sogar
württembergischer Vizemeister. 1961 wurde Adolf Berenfeld Fünfter bei den
deutschen Einzelmeisterschaften der Judojugend und Karl-Heinz Petschinka süddeutscher
Jugendmeister im Schwergewicht. Ab 1973 leitete - nachdem sich zuvor Reiner Bemmet
und Ingrid Candowitz in der Abteilungsleitung abgewechselt hatten - Adolf Berenfeld
die Abteilung. Mit zum sportlichen Aufschwung - vor allem im Jugendbereich, aber
auch bei den Männern - trug die von Berenfeld initiierte Anstellung eines
hauptberuflichen Trainers Anfang 1978 bei. Gernot Rohm widmete sich in den
folgenden Jahren erfolgreich der Jugendarbeit. Judo war in dieser Zeit "in".
Die Männer kämpften zwei Jahre lang in der zweiten Bundesliga. Einzelne Jugendliche,
wie der Böblinger Davor Vlaskovac wurden deutsche Jugendmeister. Die Damen der
Abteilung kämpfen heute in der zweiten Bundesliga und belegten im vergangenen Jahr
den dritten Platz. Die Männer stehen derzeit in der Verbandsliga Württemberg auf
Platz vier.
1990 legte der langjährige Abteilungsleiter Dr. Adolf Berenfeld, aus beruflichen
Gründen - er hat sich im Schwarzwald eine orthopädische Praxis aufgebaut -
die Abteilungsleitung nieder. Nachfolger wurde Michael Kurz. Er leitete die
Abteilung bis zum Frühjahr dieses Jahres und trat dann samt dem hauptamtlichen
Trainer sowie weiten Teilen des Vorstandes wegen (so seine Begründung)
"Differenzen mit der Stadt Böblingen" zurück. Heute steuern Robert Loisch
und Roland Sieger, tatkräftig unterstützt von Isolde Loisch, Gregor Kischkat,
Susanne Erhardt und einem jungen Trainerteam das Abteilungsschiff durch wieder
ruhiger gewordene Gewässer. Mit einem Empfang am 2. November im Dojo - gleich
nachdem die Böblinger Bundesliga-Damen ihre Kämpfe beendet haben - will die
Abteilung ihr Jubiläum feiern.
Die SVB-Gründermannschaft von vor 40 Jahren: Ernst Schill, Konrad Lux,
Alfred Grob, Werner Feuersänger, Helmut Reichert (hinten von links),
Albin Anselstetter, Jacques Thieullen aus Pontoise, Helmut Mästling,
Harald Seifried, Hermann Schill (vorne von links) und Trainer
Eberhardt Kuklinsky (rechts oben).
|